Aktualisiert am 23.09.2020 | Lesezeit 5 Minuten

Begleiterkrankungen der Adipositas

Adipositas bedeutet nicht nur starkes Übergewicht. Besonders die Folge- und Begleiterkrankungen verschlechtern die Lebensqualität und mindern die Lebenserwartung der Betroffenen. Hier erfahren Sie mehr über die verschiedenen Erkrankungen und die grosse Bedeutung der Übergewichtsreduktion.

Bei Menschen mit Übergewicht und Adipositas steigt das Risiko für verschiedene Begleit- oder Folgeerkrankungen. Tückisch ist, dass die meisten dieser Leiden schleichend und zunächst ohne Beschwerden beginnen. Dennoch sind es gerade diese Folgeleiden, die das hohe Körpergewicht zu einem ernsthaften Gesundheitsrisiko und eine Therapie des krankhaften Übergewichts dringlicher werden lassen. 

Zu den Begleiterkrankungen der Adipositas zählen:


Arthrose (frühzeitiger Gelenkverschleiss)

Arthrose bedeutet Verschleiss des Gelenkknorpels. Die Krankheit kann schmerzhaft sein und zu Bewegungseinschränkungen führen. Sie kann aber auch völlig symptomlos verlaufen. Am häufigsten tritt Arthrose an den Gelenken der Knie, der Hüfte, am Daumensattelgelenk (zwischen Daumenballen und Handwurzel) und am Schultergelenk auf. Übergewicht fördert den schleichenden Gelenkverschleiss.

 

Bluthochdruck (Hypertonie)

Bluthochdruck wird auch als Erkrankung bezeichnet, die man nicht spürt, weil sie nur selten typische, eigene Beschwerden auslöst. Stattdessen schädigt sie Herz, Gefässe und andere Organe schleichend. Durch Bluthochdruck steigt das Risiko, einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erleiden, deutlich.

 

Depressionen

Übergewichtige Menschen leiden häufig an ihrer Gesamtsituation. Die durch das Übergewicht verursachten Beschwerden verringern die Lebensqualität der Betroffenen massiv und schränken sie in ihrem Handlungsspielraum ein. Die soziale Ausgrenzung, Vorurteile und die Sorge um die eigene Gesundheit erschweren Übergewichtigen das Leben ungemein und resultieren nicht selten in Depressionen.

 

Diabetes mellitus (Typ-2-Diabetes, Zuckerkrankheit)

Bei Typ-2-Diabetes ist der Blutzuckerspiegel erhöht. Typische Symptome fehlen häufig, was dazu führt, dass der Diabetes erst entdeckt wird, wenn bereits eine Schädigung der Organe eingetroffen ist. Übergewicht gilt als einer der wichtigsten Faktoren für die Entstehung von Typ-2-Diabetes.

 

Fettstoffwechselstörung

Von einer Fettstoffwechselstörung spricht man, wenn die Blutwerte bestimmter Fette erhöht sindz. B. für Cholesterin. Dies ist bei Übergewichtigen und adipösen Menschen häufig der Fall. Fettstoffwechselstörungen erhöhen das Risiko für verschiedene Herz-Kreislauf- und Lebererkrankungen.

 

Gallensteine

Gallensteine entstehen, wenn verfestigte körpereigene Bestandteile, z.B. Cholesterin oder Eiweiss, in der Gallenblase oder im Gallengang verklumpen. Zu den Symptomen zählen heftige, rechtsseitige Oberbauchschmerzen (Gallenkolik), die von Übelkeit begleitet sein können. Adipositas erhöht das Risiko für Gallensteine, das es zu einer vermehrten Produktion und Ausscheidung von Blutfetten in der Galle kommt.

 

Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt ist lebensbedrohlich und wird durch einen plötzlichen, vollständigen Verschluss eines Herzkranzgefässes verursacht. Gelingt es nicht, das Gefäss innerhalb kurzer Zeit wieder zu eröffnen, stirbt das von der Blutzufuhr abgeschnittene Muskelgewebe ab. Das betroffene Gewebe nennt man Infarkt. In der Schweiz ist der Herzinfarkt Todesursache Nummer Eins. Rasches und richtiges Handeln im Notfall kann die Überlebenschancen erhöhen. Adipositas erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt.

 

Herzinsuffizienz

Bei einer Herzinsuffizienz (auch Herzschwäche genannt) ist die Pumpleistung des Herzens geschwächt. Das Herz kann den Körper nicht ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgen, was zu einer verminderten Leistungsfähigkeit führt. Adipositas erhöht das Risiko für eine Herzinsuffizienz.

 

Hormonelle Störungen

Übergewicht und Adipositas kann bei Frauen zu Unfruchtbarkeit und bei Männern zu Störungen der Potenz führen.

 

Krebserkrankungen

Adipositas gilt als Risikofaktor für verschiedene Krebserkrankungen. So haben adipöse Frauen ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Gebärmutterkrebs sowie Eierstockkrebs. Bei adipösen Männern besteht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Darmkrebs, Prostata- sowie Bauchspeicheldrüsenkrebs.

 

Schlafapnoe-Syndrom

Bei starker Adipositas hat die Lunge weniger Platz. Sie muss härter arbeiten, um den Sauerstoffbedarf decken zu können. Bei einem Schlafapnoe-Syndrom (SAS) kommt es zu wiederholten kurzzeitigen Aussetzern der Atmung im Schlaf. Durch die fehlende Luftzufuhr sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut. Durch eine im Gehirn entwickelte Weckreaktion holen Betroffene kräftig Luft. Diese sich ständig wiederholende Weckreaktion verhindert den Tiefschlaf, was chronische Müdigkeit und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeutet.

 

Schlaganfall

Zu einem Schlaganfall kommt es, wenn in einem Hirnbereich die Durchblutung plötzlich stark nachlässt oder ganz ausfällt. Dabei sterben Gehirnzellen ab, was zu schwerwiegenden Funktionsstörungen bis hin zu Behinderungen und Todesfällen führen kann. Bluthochdruck und bauchbetontes Übergewicht zählen zu den grössten Risikofaktoren für einen Schlaganfall.

 

Sodbrennen

Sodbrennen entsteht, wenn Magensäure vom Magen in die Speiseröhre tritt. Dies geschieht, wenn der untere Schliessmuskel der Speiseröhre nicht dicht schliesst und der Druck im Bauch zu gross ist. Bei Adipositas ist häufig beides der Fall, da der Druck im Bauch durch das Übergewicht steigt und der Übergang der Speiseröhre zum Magen nach oben verzogen wird.

 

Im Adipositas-Netzwerk arbeiten Fachspezialisten aller in die Behandlung von Adipositas involvierten Fachbereiche interdisziplinär zusammen. Wir bieten unseren Patienten die bestmögliche Unterstützung im Rahmen ihrer Adipositas-Behandlung und begleiten Sie auf ihrem Weg in ein gesünderes Leben.

Letzte Aktualisierung: 23.09.2020