Aktualisiert am 22.03.2021 | Lesezeit 5 Minuten

7 Fragen zu Ernährung und Bewegung nach einer Magenbypass-Operation

Bei starkem Übergewicht und Adipositas spielt die Ernährung eine grosse Rolle. Wenn Betroffene einen Ausweg suchen und sich aktiv mit ihrem Essverhalten auseinander setzen möchten, können die Ernährungsberaterinnen des Adipositas-Netzwerks sie auf dem Weg zu ihrem Zielgewicht unterstützen. Wir haben Fragen von Betroffenen notiert, die sich mit dem Gedanken einer Operation zur Übergewichtsreduktion befassen.


Wir sprechen mit Martina Bachofner, Dipl. Ernährungsberaterin HF/SVDE. Als Expertin für Ernährungsberatung im Adipositas-Netzwerk unterstützt und begleitet sie Patienten im Raum Wetzikon. 


Am 4. März 2021 hielt sie den Vortrag "Gewichtsreduktion durch Ernährung und Bewegung. Was geht und was geht nicht?". Die Aufzeichnung können Sie hier ganz in Ruhe noch einmal anschauen. 

 

Frage 1: Ich habe zurzeit Unterstützung durch die Ernährungsberatung und habe vieles schon umgestellt. Ich konnte auch den Süssigkeitenkonsum reduzieren, aber nicht darauf verzichten. Meine Ernährungsberaterin sagt, ein Verzicht müsse nicht sein. Wie sieht das aber nach einer Operation aus? Liegt etwas Süsses da überhaupt noch drin?

Nach einer Magenbypass- oder Schlauchmagenoperation kann nach dem Konsum von zuckerhaltigen Lebensmitteln, schnell verdaubaren Stärkeprodukten und kohlenhydrathaltigen Getränken ein Dumpingsyndrom mit unterschiedlichen Beschwerden wie Müdigkeit, Schwitzen, Schwindel etc. auftreten. Ob und nach welcher Konsummenge sich Symptome zeigen, ist sehr individuell. Einige Menschen haben nie Beschwerden, andere reagieren nach der Operation auf kleinste Zuckermengen sehr stark. Allgemein gilt: wenn Symptome nach Zuckerkonsum auftreten, dann in Zukunft diese Menge meiden. Als Richtlinie sind die Empfehlungen der gesunden Ernährung anzusehen, die zu einem Zuckerkonsum in kleinen Mengen anraten und empfehlen, mit Mass zu geniessen.

Frage 2: Wie oft gibt es Fälle von Problemen mit Dumpings? Was kann man tun, um diese zu vermeiden?

Das Dumpingsyndrom tritt am ehesten auf, wenn zuckerhaltige Nahrungsmittel oder Gerichte gegessen werden und/oder zuckerhaltige Getränke wie Süssgetränke, Fruchtsäfte, gezuckerter Tee/ Kaffee oder Weissbrot konsumiert werden. Eine unausgewogene Mahlzeitenzusammensetzung oder Trinken zu den Mahlzeiten können ebenfalls eine Dumpingsymptomatik auslösen.

Ein Dumpingsyndrom lässt sich meist vermeiden, indem zuckerhaltige Nahrungsmittel, gezuckerte Speisen und Weissbrot weggelassen werden. Ebenfalls ist es wichtig, auf eine ausgewogene Mahlzeitenzusammensetzung mit einem hohen Protein-, einem grossen Gemüse- und einem eher kleinen Stärkeanteil zu achten und den Trink-Essabstand einzuhalten.

Frage 3: Für mich bedeutet Essen auch Genuss und mein Mann und ich geniessen die Zweisamkeit auch mal mit einem Restaurantbesuch. Liegen Speisen wie Cordon bleu, Raclette, Fondue etc. gelegentlich überhaupt noch drin? Oder hat man oft nach der Operation ein ganz anderes Verlangen? Ist das Essen dennoch genussvoll, vielleicht auch dadurch, dass man viel schneller satt ist und deshalb nichts vermisst?

Die Nahrungsmittelauswahl und das Essverhalten verändern sich nach einer Magenbypass- oder Schlauchmagenoperation. Die Portionen sind deutlich kleiner und die Verträglichkeit der Speisen ist individuell. Das führt häufig zu einem anderen Restauranterlebnis. Ob fettreiche Speisen wie Cordon bleu, Raclette oder Fondue noch drin liegen, hängt von der individuellen Verträglichkeit ab. Vielleicht sind nur einige Bissen möglich, vielleicht ist es auch möglich, bis zu einer halben Portion zu essen oder vielleicht werden diese Gerichte nicht mehr vertragen.

Wenn es gelingt, sich vom bisherigen Genuss zu lösen und nach neuen Genussmomenten zu suchen und sich darauf einzulassen, kann auch nach einer Magenbypass- oder Schlauchmagenoperation Essen als Genuss erlebt werden. Einfach als anderer Genuss…

Frage 4: Wie sieht es mit Sport aus? Wie wichtig ist dieser? 

Sport und Bewegung sind nach einer Magenbypass- oder Schlauchmagenoperation sehr wichtig. Durch die Operation wird schnell viel Körpergewicht abgebaut und dabei geht auch Muskulatur verloren. Das Ziel ist, möglichst viel Fettgewebe und möglichst wenig Muskelgewebe abzubauen. Gezieltes Krafttraining mit proteinreicher Ernährung hilft, dass weniger Muskulatur abgebaut und im besten Fall Muskulatur während des Abnehmprozesses aufgebaut wird. Regelmässige körperliche Bewegung und Ausdauertraining verbrauchen zusätzlich Energie und unterstützen die Gewichtsreduktion und die anschliessende Gewichtsstabilisierung nachhaltig.

Frage 5: Welche Möglichkeiten gibt es, wenn man nach starker Gewichtsabnahme Probleme mit der hängenden Haut hat?

Je nach Menge der überschüssigen Haut kann eine Operation zur Korrektur des Körperbildes angezeigt sein. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Frage 6: In Ihrem Vortrag sprachen Sie von der Ernährung, wenn man "in Rom angekommen ist". Was ist da zu beachten?

Wenn «Sie in Rom angekommen sind», dann möchten Sie wahrscheinlich bildlich gesprochen erstmals in Rom bleiben. Dazu müssen Sie die Menschen kennenlernen, herausfinden, wie die Sitten und die Gebräuche sind und sich eine Unterkunft suchen. Der Weg nach Rom bedeutet, dass Sie erfolgreich Gewicht abnehmen konnten und am Ziel angekommen sind. Wenn Sie Ihr Zielgewicht erreicht haben, dann geht es darum herauszufinden, wie Sie sich ernähren und bewegen sollten, um das erreichte Ziel zu halten. Es gilt, den „neuen Lebensstil“ beizubehalten und langfristig umsetzen zu können.

Dabei kann eine Unterstützung von Fachpersonen im Bereich Ernährung sehr hilfreich sein. ErnährungsberaterInnen begleiten Sie auch gerne auf dem Weg nach Rom und helfen Ihnen, dass Sie sich in Rom besser zurechtfinden.

Frage 7: Was halten Sie von Nahrungsergänzungen?

Ich beantworte diese Fragen im Hinblick auf die Ernährung nach einer Magenbypass- oder Schlauchmagenoperation. Da die Nahrungsmengen nach der Operationen klein bis sehr klein sind und der Proteinbedarf hoch ist, sind geeignete proteinreiche Nahrungsergänzungen sinnvoll. Ebenso wichtig ist auch die tägliche Einnahme der Vitamin- und Mineralstoffpräparaten.


Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Wenn Sie mehr wissen möchten, sehen Sie sich den 15 minütigen Vortrag "Gewichtsreduktion durch Ernährung und Bewegung. Was geht und was geht nicht?" mit Martina Bachofner an.
Im April beantwortet unser Experte für Übergewichtschirurgie, Dr. med. Rainer Brydniak, Fragen von Betroffenen. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei sind. 

Bis dahin, bleiben Sie gesund!

 

Letzte Aktualisierung: 22.03.2021