Aktualisiert am 12.04.2021 | Lesezeit 5 Minuten

Die Magenbypass-Operation leicht verständlich erklärt

Langzeitergebnisse zeigen, dass mit einem Magenbypass ein durchschnittlicher Übergewichtsverlust von mindestens 50% möglich ist. Hier erfahren Sie, was bei diesem chirurgischen Eingriff passiert.

PD Dr. med. Daniel M. Frey, Leiter Chirurgie am GZO Spital Wetzikon erklärt, wie eine Magenbypass-Operation durchgeführt wird und beantwortet Fragen von Betroffenen.


Am 4. März 2021 hielt er den Vortrag "Die Magenbypass-Operation leicht verständlich erklärt." Die Aufzeichnung können Sie hier ganz in Ruhe noch einmal anschauen. 

 

Frage 1: Operationstechnik Magenbypass: Es gibt ja den distalen und den proximalen MBP – was sind die Vor-/Nachteile? Und werden überhaupt beide Varianten operiert oder hauptsächlich nur die eine?

Die Standardoperation ist der proximale Magenbypass mit folgenden Längen der Dünndarmabschnitte: Alimentärer Schenkel 150cm, biliopankreatischer Schenkel 80cm, common channel (wird in der Regel nicht ausgemessen) je nach Gesamtlänge des Dünndarms zwischen 250 bis 480 cm.

Beim distalen Magenbypass ist der common channel zwischen 50 und 150 cm lang, der biliopankreatische Schenkel ist mindestens 150 cm lang und der alimentäre Schenkel ist zwischen 200 bis 400 cm.

Der distale Magenbypass wird viel seltener durchgeführt und eignet sich für Menschen mit massivem Übergewicht (BMI über 50kg/m2) oder als Revisionsoperation (Zweitoperation) im Falle einer Gewichtszunahme nach Standardmagenbypass oder Sleeve Gastrektomie.

Frage 2: Ich habe zwei Kinder, die noch relativ jung sind, und habe einfach Ängste im Hinblick auf eine Operation, Angst vor Komplikationen etc. – wie häufig gibt es wirklich Fälle mit schweren Komplikationen?

Komplikationen können bei jeder Operation auftreten. In der Bariatrischen Chirurgie ist die Komplikationsrate tief. Das Risiko einer schweren Komplikation ist mit dem einer geplanten Gallenblasenoperation vergleichbar und beträgt 0,1 %. In Referenzzentren mit grosser Erfahrung und hohem Operationsvolumen ist die Komplikationsrate in der Regel tiefer als in kleineren Primärzentren.

Frage 3: Wie lange dauert es vom Abklären bis zur OP?

In der Regel 3 Monate vom Erstkontakt bis zur Operation. Diese Zeit ist gesetzlich vorgegeben und muss auch eingehalten werden.

Frage 4: Wieviel zahlt die Krankenkasse?

Bei korrekter Indikationsstellung und Erfüllung aller Vorgaben übernimmt die Krankenkasse die Kosten für den Eingriff und die Kosten für die Nachsorge (dort gemäss Ihrer frei gewählten Franchise).

Frage 5: Nach einer Hysterektomie inkl. Adnexen habe ich sehr schnell 20-25 Kilo zugenommen. Ich gehe davon aus, dass es ebenfalls die Hormone sind. Alles was ich bis jetzt gemacht habe, hat nur mässig Erfolg. Habe teils absolut keinen Hunger, Sättigung ist gut. Und nun?

Der erste Schritt ist eine Analyse Ihres Essverhaltens und die Berechnung Ihres Grundumsatzes. Danach sollten Sie mit Unterstützung einer Ernährungsberatung Ihre Essgewohnheiten umstellen (weniger Energiezufuhr, mehr Proteine und Ballaststoffe etc.) und sich mehr bewegen. Die Gewichtszunahme ist nur sehr selten hormonell bedingt.

Frage 6: Nur 5 Jahre Nachsorge?

Die Nachsorge muss lebenslänglich erfolgen, mindestens einmal pro Jahr. Die Adipositaszentren haben die Pflicht, ihre Patienten während 5 Jahren nachzukontrollieren. Nach dieser Zeit übernimmt in der Regel der Hausarzt die weiteren Kontrollen.

Frage 7: Wie soll ich 2 Jahre Diät-Erfahrung nachweisen?

Indem Sie alle Massnahmen aufschreiben, die Sie in den letzten Jahren unternommen haben, Ihr Gewicht zu senken. Jeweils Dauer der Massnahme angeben (in Monaten) und die durch die Massnahme erreichte Gewichtsänderung.

Frage 8: Bildet sich nach der OP die Haut zurück?

Die Haut bildet sich in der Regel nur teilweise zurück. Dies ist abhängig vom Alter, vom Ausmass und der zeitlichen Dauer des Übergewichts sowie von individuellen Faktoren wir Hautelastizität und genetische Veranlagung.

Frage 9: Wie früh kann man nachher die überschüssige Haut entfernen lassen?

Das Gewicht sollte während 6 Monaten stabil sein. Dies wird in der Regel nach 2 Jahren erreicht. Vor diesen zwei Jahren sollte kein plastisch-chirurgischer Eingriff durchgeführt werden.

Frage 10: Wie „merkt“ der Körper nach einer Magenbypass-Operation, dass das Endgewicht erreicht ist?

Das Endgewicht wird in der Regel nach 2 Jahren erreicht, wo sich Energiezufuhr und Grundumsatz angeglichen haben. Das ist aber sehr individuell und kann auch noch beeinflusst werden (viel Sport, genügend Proteine, wenig Fett und kein Zucker).

Frage 11: Wie kommt ein Darmverschluss ? Ist das auch öfters nach einer Magen-OP?

Kommt nur beim Magenbypass vor und entsteht durch Lücken im Aufhängeapparat des Dünndarmes (sog. Mesenterium), durch die Dünndarmschlingen hindurchschlüpfen können und es dadurch zur Abschnürung/zum Verschluss des Dünndarmes kommt.

Frage 12: Mein BMI liegt bei 30 und ich habe einen sehr niedrigen Grundumsatz 1450 kcal. bei einer Körpergrösse von 182 cm / 99 kg. Ich bin leider nicht für eine Operation qualifiziert. Ich habe aber schon zig Versuche gestartet, um abzunehmen. Wo kann ich mich melden für eine Beratung?

Bei jeder seriösen Ernährungsberatung oder auch bei Ihrem Hausarzt. Hier erfahren Sie mehr über die Ernährungsberatung.

Frage 13: Ist es besser, vor der OP so gut es geht abzunehmen um Risiken zu minimieren?

Das Gewicht oder Übergewicht ist nicht alleine für das Operationsrisiko verantwortlich. Vielmehr sind es die mit dem Übergewicht zusammenhängenden Begleiterkrankungen (Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herzerkrankung, Lungenerkrankung), die das Ausmass des Operationsrisikos mitbestimmen. Vor der Operation werden die Patienten aber ausgiebig abgeklärt und wo nötig behandelt, damit das Risiko des geplanten Eingriffs so klein wie möglich gehalten werden kann. Die Vorabklärungen dienen also dazu, das Gesamtrisiko einer Operation einzuschätzen und dann mit dem Patienten die richtige Entscheidung zu treffen.


Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Wenn Sie mehr wissen möchten, sehen Sie sich den 15 minütigen Vortrag "Die Magenbypass-Operation leicht verständlich erklärt" von PD Dr. med. Daniel M. Frey an.
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Alles Gute und bleiben Sie gesund!

Letzte Aktualisierung: 12.04.2021